An einem Sonntag im August (Ende November)

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Der Flirtgorilla trägt einen Armreif aus Messing am rechten Handgelenk und einen silbernen Ring am falschesten Finger. Er fegt flotten Schrittes durch sein längliches Lokal, das Tablett gekonnt auf einer Hand balancierend. Er beugt sich hier schwungvoll über ein Sofa, kniet sich dort auf Augenhöhe eines Tisches, um Bestellungen aufzunehmen, und hat für alles und jeden ein happy smile parat. Seine schulterlangen Haare fallen ihm lässig wie einem Surfer in die Stirn, sobald er den Blick senkt. Und er senkt ihn häufig. Denn der Flirtgorilla weiß sich unter Beobachtung einer Spindeldürren, die doppelt so lang ist wie er, weshalb er keine Gelegenheit auslässt, in ihrem Blickfeld seine muskulösen, untätowierten (!!) Arme einzusetzen. Er stützt sich ab, er hebt und trägt, er arrangiert und serviert, räumt ab und auf, und alles mit geschmeidig kontrollierten Armbewegungen. Mit Sicherheit geht er schon seit vier Jahren dreimal wöchentlich zum Bouldern.
Er serviert der Spindeldürren generös einen Kaffee mit Milchschaum, und im Milchschaum prangt ein aufgesträuseltes Herz; als sie es entdeckt, zwinkert er ihr locker-flockig zu; und sie lacht kurz auf, ohne rot zu werden. – Am gläsernen Kuchenkühlschrank schneidet er einhändig ein Tortenstück für sie ab, balanciert es stehend einige Atemzüge lang auf des Messers schmaler Breitseite und legt es, ebenfalls einhändig, auf dem daneben gehaltenen Teller ab. Einhändig faltet er die dazu gehörende Serviette zu einem Dreieck, und in drei motivierten Schritten ist er wieder bei ihr; sie hat ihm Bücher mitgebracht: alte, vergilbte Reclamausgaben – aha, man kennt sich wohl aus der Uni!
Wie der Abend ausgehen wird? Nun, irgendwann zum Feierabend hin wird sich der Flirtgorilla eine per App bestellte Liane schnappen und mit der Spindeldürren unterm Arm wie Tarzan mit Jane davonschwingen, er wohnt ja hier zufällig gleich um die Ecke.

Laatsch

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Ich buchstabiere: Ell-Doppel-A-Tee-Ess-Ceh-Hah!

Laatsch ist nicht Müller, Schmidt oder Meier in all ihren Abwandlungen. Laatsch ist relativ selten in Deutschland. Aber den Namen scheint’s vielfach zu geben. Nicht häufig, aber wir Namensträger*innen würden bei einer Versammlung schon eine mittelgroße Schulaula füllen, wenn wir die „falsche“ Schreibweise Latsch mit dazu holten.
Als Laatsch muss man den Namen schon ab und zu googeln, um sich davon zu überzeugen, dass man nicht der einzige ist, und ich kenne persönlich niemanden außerhalb meiner Familie, der auch Laatsch heißt. Und ich habe auch noch niemanden kennengelernt, der gleichgültig murmelte: „Laatsch?! Ja, ja, so heißt auch mein Cousin vierten Grades…!“ Man ist namenstechnisch recht isoliert als Laatsch, und obwohl der Name eher rustikal ist, verliert man manchmal die Bodenhaftung: Wer heißt schon Laatsch? Laatschen existieren in Gruppen immer nur im Singular!

Wie lebt es sich mit dem Namen Laatsch?

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Urfurcht vor der kalten Kirsche: Das Mon Cheri-Trauma

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Wer kennt das nicht? Ab einem bestimmten Kindesalter ließen einen die Eltern in feierlicher Gelöstheit — beispielsweise an einem Geburtstag oder eben zu Weihnachten — plötzlich zum ersten Mal die letzten Tropfen aus einem Schnapsglas kosten. Eine neue Geschmacksrichtung tat sich auf, so also schmeckte so ein Schnaps, den die Erwachsenen trinken: bitter, beißend, scharf. Pfui bäh. Und husten musste man auch. Man verzog das Kindergesicht, die Tischrunde um einen herum lachte und man wurde auf später vertröstet, denn das Zeug sei ja eben nicht für Kinder…

Einige Heiligabende später durfte man mit Likör gefüllten Weihnachtsbaumbehang aus seiner Alufolie auswickeln, nicht aber ohne vorher die mahnenden Worte: „Da ist aber Schnaps drin!“, vernommen zu haben. Meistens reichte einem die Schokolade noch vollkommen aus, und die umstehende Feiergesellschaft nahm sich des harmlosen Mini-Schlückchens an.

Irgendwann war man soweit gereift, eine solche Likör-Praline mit den Zähnen zu knacken. Man war gefasst auf den flüssigen Inhalt und konnte die Tropfen mit der Schokolade am Gaumen zu einer wohlschmeckenden Masse zerquetschen, nicht ohne nachwievor husten zu müssen. Edle Tropfen in Nuss — nicht übel. Asbach Uralt in Schoko-Fläschchen — für Kenner! Und eines unschuldigen Abends in der Adventszeit —

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