Auf der Suche an anziehbarer Psychedelia klapperte ich heute auf dem Ku’Damm die allseits bekannten und allerorts angesiedelten internationalen Volksausstatter ab. Ich suchte ein rot-bläuliches Hemd in Paisley-Musterung, weil meine Großhirnrinde in ebendieser Struktur gefasert zu sein scheint. Und wer weiß, manchmal findet man an unerwarteter Stelle genau so ein Hemdchen. Doch während in den Damenabteilungen die ursprünglich aus Indien stammenden Boteh-Muster (also die Tränen-, Tropfen- und Komma-Formen) nur so ineinander flossen, war davon in den Herren-Etagen keine Spur zu finden.
Was einem die Großkonzerne zum Ankleiden anbieten, tendiert stark in Richtung Verhöhnung: Verhöhnt werden die Arbeitskräfte, die unsere Klamotten produzieren; verhöhnt werden Grenzwerte zur Chemikalienverwendung und Umweltbelastung; und verhöhnt werden letztlich die kaninchenäugigen Konsumenten, denen diese grellbunten Lappen zu überteuerten Billigpreisen hingehalten werden – ihr habt die Wahl: Nuttig glänzende Pocken, bonbonfarbene Pest und proletarische Cholera. Daneben gibt’s noch biederen Artigkeits-Krebs und Unterhosen mit aufgedruckten Comicstrips (für ‚Erwachsene‘). Das Angebot für den internationalen Langeweile-Durchschnitt. Erschreckend. Zum Kotzen.
Nimmt man zu dieser grellen wie einfallslosen Mainstream-Mode noch die im Fernsehen angebotenen Unterhaltungswahrheiten, das Dicounter-Futter und den omnipräsenten Dudelfunk dazu, kommt schon eine ganz ansehnliche Otto-Normal-Hölle zustande, von der fernzuhalten es sich lohnt! Das grinsende System, das uns lockt und ablenkt. Die Maschine läuft wie geschmiert. Uns geht’s gut. Oder?

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