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Neyn, besonders merckwuerdig sind ja die Teutschen, und inzbezondare deren blasz-roth angelaufnes Mannsvolck heuer gewesn, wie zie dar am Tage des Herrn Jesu Auffahrt dene geystichen Truenke wol zusagten, dasz es einem stattlichen Manne, dere in Safft und Bluete stehet und von dene Academien ueber Cultura & Welte viel und wol gelernet hat – wie onsereinam, diez meinet den Verfasser daselpst! – Angst und Bange ums Menschenthume ward! – Doch in Reih!

Wo ich mich auch, da ich heuer zu Nicolais‘ Berlin und Coelln-Rixdorfe in dene Parkanlagen die Stadtmauern entlange spazirete, auffhielt, so fandt ich zie allenthalben stehn & daumelen ond gannz garzige Raeuberlieder anstimmen, deren Inhalte ich meynem geneygeten Leser zur seyner Schohnung darob nicht gezondert an diesem Orte ausbreyte. Der guenstigste aller Gerstensaefte aus dunckelem Glaswerck flosz in Stroemen, und dem Piratenvolke schien’s zu schmeckn. Warzen wucksen auf derer Nasn, Augn stirten hinab bis zu dene Bauchnabeln, so krumm standen sie teilweize, und kaume ward eyner unter ihnen, dere nicht humpelte! Auch fandt sich niemant eyn, dere dem missgebuertichen Treyben Einhalth geboethe, und zo soffen diese armen Feuerfreszer, Landdiebe, Schachtarbeyter, Kohleklopfer, Kothkoeche, Schlaechterknechte, dasz uns schon vom reynen Anblicke unt im Voruebergehn uebel ward. Ihrer Anzahl in dere ganzen groszen Statt war von Legion, was mich bis ins Marck erschuetterte! Dies liderliche Volck, dies ganze ohngebildte onlaute Halbaffenthume, wie man es aus dene phantastueschsten Reyseberichten von Berlin zu kennen meynt, wardt ueber dieser Statt verteilet & besoffen.


Hochroth dene Koeppe vom Biere, dasz man meynen wollt, sie plazeten alsbalde, und immer noch eyne Flasch ward gegriffn, geoeffnet, geleeret, verworfn – und das in der Schnelle, als taet der Beelzebub sie ohngeduldig dahin draengen! Manch Spil, welches in andern Bezuegen und Landschafften und zu lieplicheren Musiecken als dene gegenwaertigen grauzame Gesang fuerwahr Spasz und Freud bereyten wuerde, kame bey dene hierda am Zaune krepierenden Cretins schlecht weg, wie Euch zu denken sey.
Ja, och deren Fruwen und Weibsvolck sah iche ein paar, wol sehr hüpsche so in Form und Tant, die lieszen dann aber onter deme Schatten gruen-sprieszener Beume ihre eygnen weiszen Aepfelchen spruengen, damitt diere Maenner nach dem Dinge noch schaerfer wuerden: Der groeszten und ohngebildetesten Huhre vom fernen Babylonien waer die Roete auf Busn und Anlitz geschoszen und sie haett bei derer Ludern noch fuer Jahre in die Lehr gehn koennan! Angestachelt durch derley Reize brachten die faulig ruelpsenden Mannschafftn kaume mehr aechte maenschliche Laute aus sich. –
Tritt mit eynem Mal eyner diezer stinkenden Cyclopen von schraeg an mich heran, deme ich zuvor wol aus Zufall seyne Taumelspuhre gekreuzet hatte, un derer hielts aber, weil benebelt, fuer en Affront gegen seyn klein Ehr und will mich sofort in ein Duell darob verwickelen. Und schon ich mich’s verseh, bleckt er lallend sein Kleynjung-Messerchen im heiszen Sonnenscheyn mir entgegn. Sind ja immer bewaffnet, die Ruchlosen. Zaperloth, denck ich und setz ihme ohn Zoegern eyn Geweyh uff seyne gesalbten Lockn, uff dasz ich mich mit keynem guten Kristenmenschen rauffete, na und das macht ihn fuchsteufelswilde und frech. Kommt zwey Schritt uff mich zu gehuppet mit seynem klinen Dolche – da musz ich mich also nothwehren und schieb ihm flugs meinen Sebel bis ganz zum Korb in seynen Torso und wieder hinaus : Er sackete geraeuschlos zusammen wie ein Torfpueppchen – und’s fiel aber diese Sach in dem ganzen vermaledaiten Poebelpack niemandem auf!
Meynen so bedrecktn Sebel zu reynigen ging ich also ohnbemerket meyner weytern Wege, man glaubet es nicht! Was waer wol aus mir gewordn, haett das anwesend-abwesende Brunzkachelvolck von der Sach Wind geschnuppert – o wehe mir und meiner Seel! Und derart hoert ich auch meyn Herzchen auffgereget pumpen noch eynige Momente lang, aber wie ich mir, etwas entfernet, von eynem guthmuetigen ruhigen Landstreicher einen Schuss Schnaps zur Sebel-Desinfecktion erbat, ging’s mir wieder gut.
Derweyl ich putzte, wandert meyn Blick ueber dene Wiesen und ich trauth meynem Augenlichte kaume: Mittan in des heyl’gen Abendlands Untergangs-Scenario saszen hie und dorte versprengt die musolmahnischen Verbaende, dene mann kein Stoer, Wider und Abkehr ansehn konnt. Saszen da seelnruhich, und mit dene orienthalischer Gleichgueltigkeyt schlummarte das Zigeunervolcke bey Wasserpeipp auf buntn Deckn aus Flickwerck, ganz so als waer das liderlich siechende Gekroel um zie rum aus Lufft und blosze Phatamorgan! Eigenartich auch diese Haltung, und aber: richticher? Sey der Orientale darob ein weyserer Manne als unsereiner? – – /

Wie ich och meine Kopp & Gedancken darum wickelt, es wolt mir keyn Loesung der Frage einstelln, und so, wie ich schlieszlich gen Abend wol erhalten in meynen elfnbeynernen Turme zurueck und heyme einkehrte, der Magd und deme meinem anstendigen Knechte mein Zeug zur Waesche gab, dankete ich unserm lieben Herren Gotte — dessen Sohne am heutigen Tage ja der Abflug aus diezer niedren Welt gelang, wir wolln es noch eyn zweytes mal benennen! — uff Knien dafuere vom ganzen Herzen, dasz er mich zu keyner derer beydn Gruppen, deren Leben und Treyben ich obm Euch beschriep, gezaehlet hat. Moege es dem, dere dies liest in fernen Jahrn und Jahrehunderten, ebenso ein gutes Leben (mit fil Buechern & Gedancken) seyn, amen.

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