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Der Flirtgorilla trägt einen Armreif aus Messing am rechten Handgelenk und einen silbernen Ring am falschesten Finger. Er fegt flotten Schrittes durch sein längliches Lokal, das Tablett gekonnt auf einer Hand balancierend. Er beugt sich hier schwungvoll über ein Sofa, kniet sich dort auf Augenhöhe eines Tisches, um Bestellungen aufzunehmen, und hat für alles und jeden ein happy smile parat. Seine schulterlangen Haare fallen ihm lässig wie einem Surfer in die Stirn, sobald er den Blick senkt. Und er senkt ihn häufig. Denn der Flirtgorilla weiß sich unter Beobachtung einer Spindeldürren, die doppelt so lang ist wie er, weshalb er keine Gelegenheit auslässt, in ihrem Blickfeld seine muskulösen, untätowierten (!!) Arme einzusetzen. Er stützt sich ab, er hebt und trägt, er arrangiert und serviert, räumt ab und auf, und alles mit geschmeidig kontrollierten Armbewegungen. Mit Sicherheit geht er schon seit vier Jahren dreimal wöchentlich zum Bouldern.
Er serviert der Spindeldürren generös einen Kaffee mit Milchschaum, und im Milchschaum prangt ein aufgesträuseltes Herz; als sie es entdeckt, zwinkert er ihr locker-flockig zu; und sie lacht kurz auf, ohne rot zu werden. – Am gläsernen Kuchenkühlschrank schneidet er einhändig ein Tortenstück für sie ab, balanciert es stehend einige Atemzüge lang auf des Messers schmaler Breitseite und legt es, ebenfalls einhändig, auf dem daneben gehaltenen Teller ab. Einhändig faltet er die dazu gehörende Serviette zu einem Dreieck, und in drei motivierten Schritten ist er wieder bei ihr; sie hat ihm Bücher mitgebracht: alte, vergilbte Reclamausgaben – aha, man kennt sich wohl aus der Uni!
Wie der Abend ausgehen wird? Nun, irgendwann zum Feierabend hin wird sich der Flirtgorilla eine per App bestellte Liane schnappen und mit der Spindeldürren unterm Arm wie Tarzan mit Jane davonschwingen, er wohnt ja hier zufällig gleich um die Ecke.