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Ich köpfte gegen die Mittagszeit den letzten Schokoosterhasen dieses Jahres, glitt in meine indienerprobten Flipflops und begab mich — flotten (!) Schrittes, wie es meine Art schon immer ist und war — unter die Menschen, nach draußen: In „diesen Zeiten“! Der Sommer war jüngst um die Ecken gebogen und lag heute platt, bewegungslos und drückend in den Straßen dieser zusehens vernachlässigten, ausverkauften Stadt (Berlin war mal so schön -; ihr macht euch keine Vorstellungen!).
Ich ging ob Besorgungen und Zerstreuungen in die Schöneberger Hauptstraße, also nur um die Ecke, und aber ach! – da begann mein Zickzacklauf: All die Leute schlenderten! Aber nicht, so schien mir, weil sie sich gemütlich Zeit nahmen, — nein! — weil sie träge waren und lethargisch. Weil sie nicht mehr anders konnten! Womöglich, weil der neuliche Lockdown ihrem ohnehin lahmen Leben auch noch den letzten Lebensschwung ausgetrieben hat. Nein, ja, wirklich: wo ich in Zeitraffer durchwirbelte, mussten vor-neben-hinter mir schwere Füße unsicheren Gehern und Geherinnen gehorchen. Schuhe, die als Sportschuhe auf die Welt gekommen waren, langweilten sich tödlich, während sie in Zeitlupe über die Gehwegplatten gehoben wurden von provozierenden Jungbullen und alten Ochsen.

Mit drei Schritten fräste ich um eine quasi schon stehende orientalische Großfamilie; eine gar nicht mal sooo alte Kugel humpelte mir danach quer vor die Schienbeine, und überhaupt wimmelte es hier am Kaiser-Wilhelm-Platz von ungleich langen Beinen, auseinander gekegelten O-Beinen, verflochtenen Oberschenkeln und magnetisch sich zugeneigten Kniescheibenpaaren: Elender Zustand der Durchschnittsbevölkerung? Schuhsohlen wurden schlurfend am Bürgersteig abgerieben. Ein Zombie musste sich seine Fransenhaare aus dem aufpickelten Gesicht streichen, als ich ihn im Stechschritt passierte (ich wollte zum Buchladen, da hat man’s eilig). In Anbetracht der sich hier vor mir ausbreitenden, wogenden Rumsteherei zwischen Ladeneingängen, Sitzbänken und abgestellten Fahrrädern verzichtete ich auf einen Sprung in die Einkaufspassage, denn da drinnen würde man nun wirklich als lebendiger Mensch zwischen Salzsäulen herumlabyrinthieren; vom Einkauf im Supermarkt sah ich resignierend ab, denn in den Regalgängen wird mir jedesmal klar, dass die Leute ihre Koordinationsfähigkeit an der Eingangstür zurückgelassen haben und hier nur noch wie ferngesteuert rumfahren.
Was hätte ich als gereizter, als chronisch Übermüdeter, als notorisch Unausgeschlafener und aufgrund Schlafmangels immer slightly Neben-sich-Stehender tun sollen unter den steh-gehenden Menschen? Laut hustend Pogo tanzen? Mehr als sie aggressiv schneidend zu überholen ging nicht, Sicherheitsabstand (1,5 Meter, falls es jemand noch nicht weiß) hin oder her..

— Ich beendete meinen Slalomlauf, flog nach Hause, hoch in meinen Elfenbeinturm (inkl. Boxengasse), schlüpfte aus meinen indienerprobten Flipflops und duschte mir die anhaftenden Ausdünstungen der Schlendernden vom Körper: Lebt ihr ewig, dass ihr so apathisch vor euch hintrödeln könnt?

(Ich wurde mal aufgefordert, nicht immer so negativ über Menschen zu sprechen. Aber dann bräuchte ich auch Gründe dafür!)