Acid Mothers Temple in Berlin

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Wir haben’s eigentlich nicht nötig… Aber auf taz.de schreibt ein Julian Weber einen so ausgesprochen falschen, sinnfreien und schülerhaft formulierten Artikel über das Acid-Mothers-Temple-Konzert vom 6.10.2015 in Berlin, dass man aus dem Kopfschütteln nicht herauskommt, sofern man selbst auch vor Ort war. – Halten wir es mit Arno Schmidts Credo: „Opposition muss sein!; schon als bloß=leise Mahnung zum Brilleputzen für Jeden allzu Selbst=Sicheren.“  Und also hinein ins „Vergnügen“…

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Ballade vom depressiven Zündholz

                (frei nach F. Mayröcker)

Treibholz einst, vergangene Fluten ebben ab in mir,
versuche ich das hoelzernmoegliche vor Anbruch der Nacht.
Schal draeugt mein schwarz-verkohlter Kopf über Brotlaibreste,
im Blumengrund schaelt sich ein Wurm. (Herr Jesus, deine Bueste fault.)

Nicht bey dir sein, dich missen muessen, ueberleben ohne dich: Reibung-
sflaeche im Kompost meines Gedankenspiels; Monde vergehen ohne einen Funken,
feucht garpt ein Kohlstueck im Ofen. HARZ schreibt’s übern Firn.

Kaltes Feuer im Nachgewand. Heimwaerts geht die Reyse in Saergen, und
ich kann dir nicht sagen, was mich kaputt gemacht hat.

O ich!

Wann entkomme ich dem ewigen Kreyslauf des Holzrezykelns——-?

O-Straße

Wie nennt man ein Klassentreffen zu viert? – Irgendetwas zwischen forcierter Zufallsbegegnung und notgedrungener Zeitreise. ‚Let the good times roll‘ als Deppen-Quartett(?). Eine große Stadt, zwei ähnlich lautende Straßen, zwei gleichnamige indische Restaurants, und also eine Verwechslung, die, ohne größere Verwirrung verursacht zu haben, im Facebook-Äther verpuffte: Wer sowieso nicht kommen wollte, fragte auch heute Abend nicht nach, wo denn alle sind.
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier — wobei Nr. 2 durch Nr. 5 ersetzt wurde — zu viert also saßen wir, eingequetscht in einer Touri-Klitsche in Kreuzberg bei Bier und Weißwein, und brachten es hinter uns.
„Nobody stays virgin, life fucks everyone“ war wohl das Motto. Gelacht wurde trotzdem. Draußen ab und zu Blaulicht. Unverbindliche Verabschiedung am Görlitzer Bahnhof als beide Zeiger senkrecht übereinander lagen. Da mir die U-Bahn vor der Nase entwich, lief ich durch die nieselnde Novembernacht in die O-Straße zurück und betrat gleichgültig die Frankenbar für ‚ein Schnelles‘. Mit meiner Machete hieb ich mir den Weg zum Tresen frei (Raucherkneipe) und gab ein Alster in Auftrag.

*

Ihre zu hoch gepushten Kindchen-Klunker fielen ihr fast aus dem Top; die ältlichen Herren am Tresen überwachten ihre berufsbedingten Bück- und Beuge-Übungen mit goutierenden Blicken aus u(h)rzeitlichen Guckschlitzen. Sie war sich dieser Blicke bewusst und der umso leichter eingeheimsten Trinkgelder sicher. – Was tat sie da mit meinem Alster am Zapfhahn – beschwören? Auffordern: ‚Mach hinne‘? – Nach drei Minuten stand das schaumige Gesöff vor mir und schmeckte nicht. Warum auch? – Monotoner Stonerrock durchdröhnte den beißend verrauchten Laden, und ich wollte heute abend wenigstens mal kurz mit einer Frau gesprochen haben, dachte ich mir. Zum Argwohn meiner spannernden Tresenkonkurrenten sprach ich die Zapfmaus an und fragte sie nach der gerade zu Gehör gebrachten Kapelle. Da sie mich ob der allgemeinen und spezifischen Lautstärke beim ersten Mal nicht verstand, beugte sie sich gefährlich weit zu mir vor – da wurden etliche Gläser in der Nachbarschaft kurz vor den faltigen Mündern abgebremst.
„SLEEP“, war die Antwort. „Waren auf dem Hellfest echt die Bombe!“, schob sie noch hinterher und ging wieder zapfen. Danke, wird notiert.
Gern würde dieser Bericht mit einer Pointe enden, doch das war schon alles. Verlegenheitsgespräche mit Wirtshauspersonal gehören nicht zu meinen Stärken. Ich sattelte so denn die Hühner und ging nach Frischluft. Vorbei an Smartphonezombies, Aggro-Türken und müden Polizisten.
Merkwürdig unzusammenhängender Abend…