Monsun in Kolkata

(erschien zuerst am 26. Juli 2008 auf http://www.blog.suedasien.info)

Nach mehreren redaktionsinternen Einladungen, diesen angeblich vor sich in dümpelnden Blog durch Beiträge zu bereichern – gerade, wenn man sich derzeit in der Region Südasien befände – möchte ich jetzt meinen kleinen Teil abliefern. Ich lebe seit einigen Tagen und für gute elf weitere Wochen in Kolkata (Calcutta) und darf berichten: Es regnet.

Es regnet. Drei- bis viermal am Tag setzt ein kräftiger, schöner Sommerregen mit dicken Tropfen ein, der durch die grau-braune Smog-Glocke der Stadt hindurch auf die Busse, Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger herabfällt und sich alsdann in Pfützen sammelt. Die Menschen auf den Bürgersteigen stellen sich in Gruppen unter Vordächern und sonstigen Überdachungen zusammen und gucken dem fallenden Wasser zu. Ihre Unterhaltungen, so scheint es, werden leiser, wobei der Verkehrslärm nachwievor ungedämpft durch die Straßen schreit. Der Regen verschafft den vielen hart Arbeitenden eine mehr als verdiente Ruhepause: Sie essen, trinken, rauchen eine Zigarette oder nutzen die Zeit für ein kurzes Schläfchen. Die in Indien und also auch in Kolkata allgegenwärtigen Krähen suchen Unterschlupf in dem Baum vor meinem Fenster und halten die Schnäbel.

Gestern überquerte ich bei einsetzendem Regen gerade eine Hauptstraße, kam aber nur bis zur Straßenmitte. Da fing es an zu pladdern. Ich holte meinen Regenschirm aus der Tasche und öffnete ihn, als schon eine etwa gleichaltrige Inderin in drei frechen Schritten auf mich zugeflüchtet kam und sich zu mir unter den Schirm rettete. Überrascht von dieser scheinbaren Selbstverständlichkeit – sie grinste mich kurz einnehmend an – überquerte ich mit ihr die Straße. Auf dem Bürgersteig angekommen sagten wir nur kurz freundlich „Bye“ und gingen jeder in eine andere Richtung…

Es regnet. Aber wenn der Regen vorbei ist, dauert es keine halbe Stunde, bis das liegengebliebene Wasser restlos verdunstet ist. Dann ist ein jeder schon längst wieder mit seiner Arbeit befasst und hat das gedmämpfte Zusammenhocken in der Gruppe von eben schon fast wieder vergessen. Kein Wunder, es gehört wohl in dieser Jahreszeit so selbstverständlich zum Alltag dazu wie beispielsweise die ganzjährig überfüllten Busse.

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